Alter Flugplatz

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Naturschutzgebiet ›Alter Flugplatz‹

Geschichte

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die locker bewaldete Sandfläche nordöstlich von Mühlburg, zwischen Knielinger Allee und Binsenschlauchallee gelegen, als Exerzierplatz eingerichtet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Fläche auch für die aufkommende Luftfahrt attraktiv. Die militärische Nutzung dauerte bis zum 1. Weltkrieg. 1919 wurde im südlichen Bereich der Gartenbauverein „Exerzierplatz Süd“ gegründet. 1924 wurde der zivile  Flugplatz angelegt, der in seiner Lage allerdings nicht genau dem ehemaligen Exerzierplatz entspricht. Es wurden nordöstlich liegende Bereiche einbezogen, während südliche und westliche Teile nach und nach bebaut wurden (Klinikum, Nordweststadt). Seit dem Ende des 2. Weltkriegs wurde das Flugfeld von den amerikanischen Streitkräften für ihre Zwecke genutzt.

1996 wird der Rechtsstatus als militärischer Flugplatz aufgehoben. Es beginnt eine leidenschaftliche Auseinandersetzung zwischen Verfechtern einer Bebauung und Befürwortern einer Ausweisung als Naturschutzgebiet, zu denen auch der Bürgerverein Nordstadt zählt. Im Jahr 2006 wird der größte Teil des Alten Flugplatzes von der europäischen Union als FFH-Gebiet anerkannt. Am 15. Dezember 2009 stimmt der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe der Gebietsabgrenzung für das Naturschutzgebiet „Alter Flugplatz Karlsruhe“ nach dem Vorschlag des Regierungspräsidiums Karlsruhe zu. Die Stadt Karlsruhe startet eine Serie von Führungen und Vorträgen, um das zukünftige Schutzgebiet einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Am 30. November 2010 tritt die Schutzgebietsverordnung „Alter Flugplatz Karlsruhe“ in Kraft.

Schutzwürdigkeit

Der hohe Biotopwert des Geländes, einer nach den Eiszeiten entstandenen Binnendüne, wurde seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts mehrfach nachgewiesen. Besonders die 27 Hektar großen „Artenreichen Borstgrasrasen“ und die „Binnendünen mit Mager- und Sandrasen“ stellen sehr seltene und erhaltenswürdige Lebensraumtypen dar. Über 300 verschiedene  Blütenpflanzen, über 60 Vogelarten, über 100 Schmetterlingsarten und weit über 100 Insektenarten wurden ermittelt.

Verhaltensweisen und Pflege

An den Gebietszugängen ist die Schutzgebietsverordnung in ihren wesentlichen Bestimmungen auf Informationstafeln nachzulesen (Besucher bleiben auf den Wegen, Hunde müssen an der kurzen Leine geführt werden, Ballspiele sind nicht erlaubt…).

Die Magerrasenflächen der südlichen Zone werden abschnittsweise gemäht. Auf den nördlichen Flächen weiden Esel, zeitweise auch Schafe oder Ziegen. Die Ausbreitung von Buschwerk wird durch Ausgraben verhindert, wobei sich die Schülerinnen und Schüler der benachbarten Schulen wie bisher engagieren werden.

Quellen und zusätzliche Informationen

NABU und BUND: Alter Flugplatz Karlsruhe, 3. Auflage 1997
Regierungspräsidium Karlsruhe: Würdigung des Naturschutzgebietes „Alter Flugplatz Karlsruhe“, 2009
Rohde, U.: Naturschutzgebiet „Alter Flugplatz Karlsruhe“, NordstadtZeitung Nr. 55, März 2011, S. 8-10
Internet: www.karlsruhe.de und www.rp.baden-wuerttemberg.de → Stichwort eingeben
L. Dunker

Chronologie Alter Flugplatz

  • 1820 Erwähnung als „Großer Exercierplatz“
  • 1924 Versuch der Einrichtung eines größeren Verkehrsflugplatzes ist nicht erfolgreich.
  • nach 1945 Nutzung des Geländes durch die amerikanischen Streitkräfte
  • 1974 Vorgabe der Bezirksstelle für Naturschutz zur Ausweisung eines Schutzgebietes auf der Fläche im Rahmen der Flächennutzungsplanung
  • 1984 Die Stadtbiotopkartierung der Stadt Karlsruhe, durchgeführt von Prof. Kunick und Mitarbeitern, belegt den hohen Biotopwert.
  • 1988 In der landesweiten Biotopkartierung der Landesanstalt für Umweltschutz ist der Flugplatz als bedeutendes Dünen- und Sandrasenbiotopaufgeführt.
  • 1988 Wiesenkartierung Karlsruhe durch F. Thomas und Th. Semmelmann im Auftrag der Stadt bestätigt den hohen Biotopwert der Fläche
  • 1990 Erstellung einer Broschüre „Alter Flugplatz Karlsruhe“ durch BUND und Nabu
  • Aug. 1991 Die städtische Umweltverträglichkeitsprüfung ergibt einen hohen Biotopwert für das Gelände.
  • 25.1.1993 laut Antwort des Umweltministeriums auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Stolz ist der Flugplatz eine „…Freifläche … die unter Berner Konvention und das Biotopschutzgesetz fällt…“
  • 15.2.1993 Antrag der GRÜNEN auf Ausweisung eines Naturschutzgebiets
  • Okt. 1993 Die Kartierung der besonders geschützten §24a-Biotope durch E. und K. Rennwald ergibt für das Gelände des Flugplatzes einen Schutzstatus.
  • Sept. 1994 Abzug der Amerikanischen Streitkräfte, die Amerikanersiedlung wird frei.
  • 1995 Im Siedlungskonzept wird im Osten des Geländes gewerbliche Bebauung, im Südwesten entlang der Straßenbahn Wohnbebauung vorgesehen.
  • 4.6.1996 Antrag der Fraktion der GRÜNEN an den Gemeinderat, sich beim Regierungspräsidium für die Unterschutzstellung einzusetzen, wird abgelehnt