Die Straßen in der Mitte

Die vierte Folge befasst sich mit dem Kernbereich der ehemaligen Amerikanersiedlung (Paul-Revere-Village). Dieser wird umschlossen von der Michiganstraße im Süden, dann, weiter im Uhrzeigersinn, von der Erzbergerstraße, dem Kanalweg im Norden, der Willy-Brandt-Allee und von einem Teilstück des Adenauerrings (siehe Teil 2 dieser Folge).

Die in diesem Gebiet liegenden Straßen sind ausnahmslos nach US-Bundesstaaten benannt. Dabei fällt auf, dass bei der erstmals 1953 vorgenommenen Benennung ausschließlich Staaten der Ostküste und des mittleren amerikanischen Ostens gewählt wurden. Bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass es sich um die 13 Gründungsstaaten (1788 bis 1790), nämlich die ehemaligen englischen Kolonien, und um die wenig später gebildeten (1791 bis 1819), unmittelbar westlich der Appalachen gelegenen, Staaten handelt.

Die ursprüngliche Bedeutungseinstufung der Straßen nach Avenue (Hauptstraße, Allee), Street (Straße), Drive (Fahrweg) und Lane (Gasse) wurde bei der Umbenennung im Jahr 1995 nicht beibehalten. Außerdem wurden zahlreiche kurze Straßen in die Hauptstraßen integriert. Deren aufgegebene Namen sollen dennoch kurz erwähnt werden.

Beginnen wir mit der Rhode-Island-Allee (Rhode Island Avenue). Sie verläuft östlich parallel der Erzbergerstraße und hatte daran ursprünglich 6 eigens benannte Anbindungen. Von Süden nach Norden: Georgia Street, South Carolina Street, North Carolina Street, Virginia Street, Maryland Street und Connecticut Street. Die genannten Staaten, einschließlich Rhode Island, gehören zu den 13 Gründungsstaaten der USA. Mit der Hausnummer 4 ist am südlichen Beginn der Rhode-Island-Allee seit Mai 2006 unübersehbar das Wohnstift Nord entstanden. Zwischen der ehemaligen Virginia Street und der Maryland Street liegt das heutige Ökumenische Gemeindezentrum Maria Magdalena auf einer Grünfläche, die die über 1 km lange Rhode-Island-Allee unterbricht. Hier ist außerdem eine für viele Menschen in der Nordstadt wichtige Adresse, die Marylandschule, mit der Nr. 70.

In einem leichten S-Bogen von Südwesten (Michiganstraße) nach Nordosten (Kentuckyallee) zieht sich die Tennesseeallee (Tennessee Avenue) wie eine Art Rückgrat zwischen Rhode-Island-Allee und Adenauerring/Willy-Brandt-Allee durch die grüne Mitte der Nordstadt. Im nördlichen Drittel (Haus Nr. 120) befindet sich im Kopfbau eine Ladenzeile und schräg gegenüber das Heisenberggymnasium.

Bei der Neubenennung der Straßen in der Nordstadt wurden die auf dem Schlossstrahl „Teutschneureuter Allee“ liegende Kentucky Avenue und die am Südende rechtwinklig nach Südwesten abknickende Vermont Avenue ohne Gespür für die Einmaligkeit des Karlsruher Stadtgrundrisses zur Kentuckyallee zusammengefügt (vgl. Teil 1 dieser Folge). Vermont ist der 14. der US-Bundesstaaten und gehört mit Kentucky und Tennessee zur Gruppe der Staaten der Nach-Kolonialzeit.

Eingebettet in das aus der Kentuckyallee, dem Kanalweg und der Willy-Brandt-Allee gebildeten Dreieck liegt der Louisianaring in der Nordostecke der Nordstadt-Mitte. Die Bebauung besteht hier, wie bereits auf der Ostseite der Kentuckyallee, abweichend von den bis zu fünfgeschossigen Häusern in den übrigen Straßen, aus zweigeschossigen ehemaligen Offiziershäusern und einigen Ergänzungsbauten. Der heutige Louisianaring bestand ursprünglich aus dem Louisiana Drive und der Indiana Lane. Louisiana, am Golf von Mexiko gelegen, wurde 1812 um die 1803 von Frankreich gekaufte Stadt New Orleans gebildet, Indiana wurde 1816 in den Staatenbund aufgenommen.

Auch in dem hier betrachteten Quartier gibt es einen wenig beachteten „Platz“ mit einem kleinen, offenen Pavillon. Wie ein Medaillon an der Decke des Denkmals aus der Zeit des Paul-Revere-Village verrät, handelt es sich hierbei um den „American-German-Inventors-Park Karlsruhe“. Auf den vier gewölbten Schalenstreifen, die eine Art Kuppel bilden, wird an Thomas Alva Edison, Carl Benz, Robert Fulton und Karl Freiherr Drais von Sauerbronn erinnert. Im Jahr 2001 wurde dem Areal an der Ecke Erzbergerstraße/Kanalweg der Name Thomas-Jefferson-Platz verpasst. Thomas Jefferson (*13.4.1743 Shadwell/Virginia, † 4.7.1826 Monticello/Virginia) war der dritte Präsident der USA. Er ließ Washington in Anlehnung an den Karlsruher Stadtgrundriss aufbauen.

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