Die Hauptstraßenzüge

Es sind dies im Westen die Franz-Lust-Straße, im Süden die Moltkestraße, im Osten der Adenauerring und im Norden die Straße Am Wald, die der äußeren Erschließung dienen und zum Teil auch die Stadtteilgrenzen bilden.

Von Hauptstraßen durchschnitten wird der Stadtteil in Süd-Nord-Richtung von der Erzbergerstraße im Westen und von der Willy-Brandt-Allee im Osten sowie in West-Ost-Richtung von der Michiganstraße im Süden und vom Kanalweg im Norden. Diese Straßen umschließen, zusammen mit einem Teil des Adenauerrings, die Mitte der Nordstadt, die ehemalige Amerikanersiedlung. Weil diese Straßen im Siedlungsgebiet gelegen sind, werfen sie einige Verkehrs- und Sicherheitsprobleme auf, besonders für querende Fußgänger und Radfahrer.

Im Jahr 1995 wurde das nördliche Teilstück der Blücherstraße, zwischen Städtischem Klinikum und der ehemaligen Infanteriekaserne, umbenannt in Franz-Lust-Straße. Die Stadt Karlsruhe erinnert damit an den hoch angesehenen Kinderarzt Prof. Dr. Franz Lust (* 28.7.1880 in Frankfurt am Main, † (Freitod) 22.3.1939 in Baden-Baden). Franz Lust kam in den Jahren des 1. Weltkriegs als Oberarzt an das Krankenhaus der damaligen preußischen Kadettenanstalt an der Moltkestraße. Vom badischen Landesverband für Säuglings- und Kleinkinderfürsorge wurde ihm 1920 die Leitung des am Durlacher Tor neu eingerichteten Kinderkrankenhauses übertragen. Im Jahr 1933 wurde ihm wegen seiner jüdischen Herkunft das Betreten der Klinik verboten. Zunächst übte er seinen Beruf in einer Privatpraxis aus, bis ihn 1938 das generelle Berufsverbot für jüdische Ärzte zur Aufgabe zwang. „Gebrochen an Leib und Leben“ (so in einem Abschiedsbrief an seine Frau) kehrte er nach einer kurzen Inhaftierung in Dachau noch einmal nach Baden-Baden zurück, wo er 1939 in großer Verzweiflung seinem Leben ein Ende setzte.

Die Moltkestraße ist seit 1888 benannt nach Helmuth Graf von Moltke, desgleichen erinnert sie heute auch an den Gegner der Nationalsozialisten Helmut James Graf von Moltke (siehe Teil 1).

Der Adenauerring hat mehrere Umbenennungen hinter sich. Im Jahr 1929, unter dem Namen Parkring zur Erschließung der Sportstätten im Wildpark eröffnet, wurde er 1933 in Horst-Wessel-Ring umbenannt (H. W.: Zum Märtyrer aufgebauter Nationalsozialist, 1930 bei einer Schlägerei erschossen). 1945 erfolgte die Rückbenennung in Parkring und schließlich 1967 die Namensgebung nach dem ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland Konrad Hermann Joseph Adenauer (* 5.1.1876 in Köln, † 19.4.1967 in Rhöndorf). Adenauer war von 1917 bis 1933 und für einige Monate im Jahr 1945 Oberbürgermeister der Stadt Köln. Zwischen 1934 und 1945 war er mehrfach in Haft. Mit Unterstützung der Alliierten konnte er nach Kriegsende „seine“ Partei, die CDU, aufbauen und wurde 1949 zum Bundeskanzler gewählt. Er führte die Bundesrepublik in diesem Amt nach mehrmaliger Wiederwahl bis zum Jahr 1963. Dabei setzte er auf eine enge Anbindung an die USA und die westeuropäischen Staaten, wobei er u. a. besonders die Aussöhnung mit Frankreich verfolgte.

Den Norden des Stadtteils begrenzt die Straße Am Wald, die zwischen den jüngsten Baugebieten nördlich des Kanalwegs und der Heide-Siedlung verläuft. Die Straße wurde 1970 nach dem dortigen Flurnamen benannt.

Auf der durch die Verlegung des Hauptbahnhofs frei gewordenen Trasse der Bahnlinie Karlsruhe – Neureut – Graben­-Neudorf (– Mannheim) wurde ab 1912 sukzessive eine Straße angelegt. Diese wurde 1921 nach dem ehemaligen Kommandeur der 28. Division der Armee des deutschen Kaiserreichs (zu der u. a. auch das in Karlsruhe stationierte 1. Badische Leibgrenadierregiment Nr. 109 gehörte) und dem späteren Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg benannt. 1946 drängte die amerikanische Militärregierung darauf, dass alle Bezeichnungen „nazistischer oder militärischer Art“ beseitigt werden. Auf Beschluss des Stadtrats wurde u. a. daraufhin die Hindenburgstraße in Erzbergerstraße umbenannt, die auch nach dem Bau der Amerikanersiedlung ihren Namen beibehielt. Matthias Erzberger (* 20.9.1875 in Buttenhausen, † (ermordet) 26.8.1921 bei Bad Griesbach) wurde bereits 1903, als damals jüngster Abgeordneter, für das Zentrum in den Reichstag gewählt. 1918 leitete er als Staatssekretär in der Regierung Max von Badens die Waffenstillstandskommission und unterzeichnete auf Wunsch Paul v. Hindenburgs den Waffenstillstand mit den Alliierten. Wegen der Befürwortung des Versailler Vertrags wurde er in der Folgezeit als „Volksverräter“ geschmäht. Als Finanzminister schuf er 1919 die Grundlage des heutigen deutschen Steuersystems. Bei einem Spaziergang in der Nähe von Bad Griesbach im Schwarzwald wurde Erzberger von zwei rechtsradikalen, ehemaligen Marineoffizieren erschossen.

Im Osten wird der bewohnte Kernbereich der Nordstadt von einer bedeutenden Ausfallstraße tangiert, der ehemaligen Linkenheimer Landstraße. Diese wurde 1835 bereits nach der nördlich von Karlsruhe gelegenen Gemeinde Linkenheim benannt. Das südliche, zwischen Moltkestraße und Rosenhof gelegene Teilstück dieser Straße, wurde 1994 in Willy-Brandt-Allee umbenannt. Willy Brandt (* 18.12.1913 in Lübeck, † 8.10.1992 in Unkel) war von 1957 bis 1966 regierender Bürgermeister von Berlin, danach Außenminister und von 1969 bis 1974 Bundeskanzler. Als Mitglied der von den Nationalsozialisten verbotenen Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands war er 1933 nach Norwegen emigriert. Unmittelbar nach Kriegsende wieder nach Deutschland zurückgekehrt, begann seine politische Karriere als Berliner Abgeordneter im ersten deutschen Bundestag. Aufgrund seines entschlossenen Handelns während des Berlin-Ultimatums (1958) und während des Mauerbaus (1961) erlangte er eine enorme Popularität. Für seine Ostpolitik, die auf Entspannung und Ausgleich mit den europäischen Staaten ausgerichtet war, erhielt er 1971 den Friedensnobelpreis.

Die Michiganstraße, benannt nach dem US-Bundesstaat Michigan (siehe Teil 1) kann als südliche Querspange im Stadtteil angesehen werden.

In vergleichbarer Weise gilt dies für den Kanalweg als nördliches Pendant. Unter dem Kanalweg, der seine Benennung 1946 erhielt, verläuft ein städtischer Hauptsammelkanal. Die Straße wurde bereits Ende der 30er Jahre im Zusammenhang mit dem Bau der Freiherr-von-Forstner-Kaserne (siehe Nordstadtzeitung Nr. 36, Juni 2006) angelegt und erhielt 1940 den Namen Forstnerstraße. 1995 wurden die beiden am westlichen Ende vom Kanalweg nach Norden abgehenden Stichstraßen Ohio Street (US-Bundesstaat) und Massachusetts Street (US-Bundesstaat) integriert.

Schreibe einen Kommentar